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„Och a Loutrénge schwätzen d’Leit Lëtzebuergesch“ Viele Lothringer kämpfen um das Überleben der luxemburgischen Sprache in ihrer Heimat
ph – Dass man im benachbarten Frankreich nicht nur mit Molières oder Hugos Sprache mit den kontaktfreudigen Menschen jenseits der Grenze ins Gespräch kommt, das wissen die meisten Luxemburger. Insbesondere die, welche fast Haus an Haus mit den französischen Nachbarn in Lothringen wohnen. Wer von den südlichen Gefilden des Großherzogtums in den Norden des Moselle-Departements fährt, wird feststellen, dass der Kontakt sehr einfach ist, da keine sprachliche Barriere übersprungen werden muss. Fränkisch, ein Stiefkind Im Siercker Land sprechen zahlreiche Menschen Luxemburgisch und so mancher Lothringer der älteren Generation wird gar melancholisch beim Gedankensprung in die Vergangenheit, als das „Platt“ noch in aller Munde war und nicht ums Überleben kämpfen musste. Eine solche Situation dürfte es eigentlich nicht geben, meinte Jo Nousse, ein ferventer Verfechter seiner Muttersprache – Luxemburgisch – im Siercker Land, denn aufgrund der europaweiten Bemühungen, minoritäre Sprachen zu fördern, müsste genau das Gegenteil der Fall sein. Doch nicht in sämtlichen Regionen Frankreichs sei die Nachricht vom notwendigen Erhalt der Regionalsprachen, und somit auch einem Teil des nationalen Patrimoniums, angekommen, bedauert er. So habe man seitens der politisch Verantwortlichen in den vergangenen Jahren u.a. das Bretonische sowie das Katalanische stark aufgewertet und das Erlernen bei der jüngeren Generation unterstützt. Doch Regionalsprache scheint nicht gleich Regionalsprache zu sein, denn einige genießen dem Anschein nach ein viel höheres Ansehen bei den französischen Behörden als das Fränkische – ein Stiefkind –, klagt Jo Nousse. Möglicherweise habe diese Entwicklung mit der Tatsache zu tun, dass in der Bretagne sowie in Südfrankreich der Tourismus und somit auch der wirtschaftliche Gewinn in der Aufwertung der Sprachen eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hat. Ein Trumpf, der Lothringen fehlt, denn Touristen sind Mangelware im Grenzgebiet. Wer spricht denn platt? Im Vergleich mit dem Katalanischen im Roussillon oder dem Bretonischen ist die fränkische Sprache fast genauso weit verbreitet und im Moselle-Departement gibt es noch etwa 350 000 Personen, welche eine der drei fränkischen Mundarten beherrschen, denn neben dem „francique luxembourgeois“ (in der Gegend von Thionville und Sierck) existieren ebenfalls der „francique mosellan“ (um Boulay und Bouzonville) sowie der „francique rhénan“, die größte Sprachgruppe (im Bassin Houiller sowie in der Nähe von Sarreguemines, Bitche und Sarrebourg). Im „francique luxembourgeois“ daheim fühlen sich immerhin noch 35 000 Menschen, die ihre Muttersprache alltäglich benutzen. Vor allem die älteren Leute sind froh, wenn sie auch mit „echten“ Luxemburgern von diesseits der Grenze so reden können, „wéi de Schniewel hinne gewues ass“. Aus beruflichen Gründen sind wiederum zahlreiche junge Leute aus dem Grenzgebiet auf Luxemburgisch-Kenntnisse angewiesen und belegen nach dem Eintritt in das Arbeitsleben diesbezügliche Kurse. Hinsichtlich des Lernangebots in Thionville beispielsweise, erklärte Jo Nousse, habe man derzeit als französischer Muttersprachler keine Chance, Luxemburgisch zu unterrichten, da für diese Funktion Lehrer aus dem Großherzogtum bevorzugt würden. Auch wenn man über beste sprachliche Kenntnisse verfügt und auch möglicherweise besser auf die Menschen mit ihrer Eigenart einzugehen vermag. Thema Unterricht Seitens des französischen Ministeriums für nationale Erziehung habe man, so Jo Nousse, keine großzügigen Subside wie in der Bretagne locker gemacht, um das Fränkische und somit auch das Luxemburgische zu unterstützen. Im Gegenteil, anstelle der fränkischen Sprache war Deutsch vorgesehen, für das alles Mögliche unternommen wurde. Auch der irreführende Hinweis, Deutsch sei die schriftliche Form der Regionalsprache, deute lediglich darauf hin, dass alles getan wird, um das Problem des Fränkischen im Rahmen der Politik des so genannten „tout allemand“ nicht zu berücksichtigen. Und dies, obwohl durch die Beherrschung des Fränkischen auch das Erlernen der deutschen Sprache leichter fällt – und nicht umgekehrt wie dies sehr oft dargestellt wird, hebt er hervor. Besonders im Schulwesen gelte es jetzt, die notwendigen Schritte nicht zu versäumen, um auch dem Nachwuchs die Chance zu geben, Luxemburgisch zu lernen. Ein paritätischer Unterricht (Fränkisch/Französisch) ab dem Kindergarten mit anschließender progressiver Eingliederung des Deutschunterrichts sei wünschenswert, um den Heranwachsenden nicht nur die Chance auf Mehrsprachigkeit, sondern ihnen im Lauf ihrer Ausbildung auch ein Stück Patrimonium und somit ihrer Identität mit auf den Lebensweg zu geben. Dies sollte aber flächendeckend und nicht nur in einigen Ortschaften geschehen. Dass Luxemburgisch gefragt ist, habe, den Angaben von Jo Nousse zufolge, eine Umfrage der „Inspection académique de la Moselle“ ergeben, die damit eigentlich Deutsch in den Vordergrund rücken wollte. Aber mehr als 50 Prozent der über 500 befragten Eltern sprachen sich für Luxemburgisch aus. Ein deutliches Zeichen, dem aber noch nicht ausreichend Folge seitens der Behörden geleistet wurde. Hilfe aus Luxemburg? Der Schlüssel zur Anerkennung der luxemburgischen Sprache in Lothringen liege eindeutig im Großherzogtum, meinte der sprachbegeisterte Sänger und gelernte Kindergartenlehrer Jo Nousse. Von den hiesigen Behörden müsse mehr Druck auf die französischen Kollegen gemacht werden, um sie zum Aktivwerden zu bewegen, insbesondere in der Frage wie es um die Erhaltung der luxemburgischen Sprache im nördlichen Moselle-Departement steht. Es könne nicht sein, dass Versprechungen gemacht und nicht gehalten würden, dass Menschen, deren Verlangen nach der Förderung ihrer Muttersprache bei ihren Kindern mehr als berechtigt sei, stets von ihren Volksvertretern in der Republik enttäuscht würden. Doch diesseits der Grenze herrsche bislang noch unerklärliches Stillschweigen. Eine unverständliche Zurückhaltung, da auch im Großherzogtum das Luxemburgische zu neuem Leben erwacht ist und mehr denn je auf offizielle Unterstützung zählen kann. Vielleicht sollte man dem Austausch zwischen lothringischen und hiesigen Kindern sowie Jugendlichen endlich eine Chance geben, damit die interkulturelle Erziehung in der Dreiländerecke auf fruchtbaren Boden stößt. Und wenn bereits von Kultur die Rede ist, was wäre gegen Theateraufführungen in luxemburgischer Sprache im Siercker Land einzuwenden? Für Jo Nousse, den Sänger der Gruppe Mannijo, deren zentrales Element die Dreisprachigkeit ist, liegt viel Potenzial im „francique“, dessen Aussterben es zu verhindern gilt und der die Basis für grenzüberschreitende Verbindungen darstellt. |
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